Der späte Zyklus.

Es ist zweifellos nicht einfach, sich von den brandaktuellen
politischen Risikothemen in der Konjunktur- und Marktbetrachtung zu
lösen. Zu präsent und beunruhigend sind die Entscheidungen von
US-Präsident Trump bezüglich neuer Strafzölle und jetzt auch noch
bezüglich des Ausstiegs der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran. Der
Rohölpreis hat schon deutlich zugelegt, und die Sicherheitslage im Nahen
Osten erfährt einen herben Rückschlag. Die Risiken daraus sind
offenkundig, aber dominierend für unser Makrobild sind sie (noch) nicht.

 

Nach wie vor sind wir überzeugt davon, dass vor allem die Notenbanken
im Fokus stehen, wenn wir die Kapitalmarktperspektiven für die kommenden
Quartale betrachten. Letztendlich geht es um die Inflationsentwicklung,
das Erreichen von Inflationszielen und den Ausstieg aus der
ultra-expansiven Geldpolitik, also konkret: Wie schnell und wie hoch
geht der Zinsanstieg? Diese Frage ist ob des schon lange andauernden
Aufschwungs alles andere als trivial. Zusätzlich erschwert wird die
Antwort durch die Tatsache, dass die Inflationsraten in dieser späten
Zyklusphase eigentlich schon viel höher sein müssten, wenn man bedenkt,
dass die Arbeitslosenquoten u.a. in Deutschland und in den USA extrem
niedrig sind. Die Preisentwicklungen sind bislang indes auffällig
unauffällig. Die amerikanische Notenbank Fed sieht die
US-Inflationsraten immerhin schon mehr oder weniger im Zielbereich. Ein
leichtes Überschießen wird sie wohl hinnehmen und damit zu keiner
Verschärfung ihres Zinserhöhungspfades ansetzen. Zwar tut dieser
geldpolitische Kurs in den USA der Konjunktur nicht sehr weh, aber in
diesem späten Zyklus werden die Zuwachsraten des Bruttoinlandsprodukts
dennoch eine Mäßigung erleben. Ob sich die konjunkturelle Abschwächung
in den nächsten ein oder zwei Jahren wie die Vorstufe einer Rezession
anfühlen wird, beeinflusst die Märkte sicherlich. Für Volatilität ist
insofern gesorgt.

 

Mehrheitlich sprechen unserer Einschätzung nach die makroökonomischen
Rahmenbedingen für eine Fortsetzung des Aufschwungs. In Deutschland
interpretieren wir die weitgehend enttäuschenden Konjunkturdaten im
ersten Quartal als Ausrutscher. Die Auslastung bei den Unternehmen mit
lauten Hinweisen auf Engpässe bei Personal und Kapazitäten weisen auf
eine solide Nachfrage hin.

 

Schlussendlich erleben wir eine Phase an den Finanzmärkten, in der
angesichts von konjunkturellen Unsicherheiten, politischen Risiken und
gelassen wirkenden Notenbanken keine Inflationshysterie aufkommt. So
haben sich zuletzt die Aktienmärkte erholt und die Rentenmärkte
beruhigt. Die politische Nachrichtenlage ist freilich kaum besser
geworden, was uns vorsichtig macht, die finale Entwarnung für die im
Februar begonnene Korrekturphase an den Märkten auszurufen. Immerhin
geben wir dem späten Zyklus die Chance, im späteren Jahresverlauf einem
konstruktiven Kapitalmarktumfeld wieder hinreichend Raum zu geben.

Quelle: Makro Research der DekaBank Stand: 15.05.2018

 

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Danny Führer
Wertpapierexperte der Sparkasse Mittelsachsen

 

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