Sparkasse Mittelsachsen  

Politisches Unwetter?

von Danny Führer am in Aktuell, Allgemein, Sparkasse

Früher konnte man einfach nur über das Wetter sprechen, heute ist meist
von Unwetter die Rede. Die Aufgeregtheiten nehmen gefühlt ständig zu –
meteorologisch wie politisch. Gemessen daran reagieren die Kapitalmärkte
derzeit überraschend maßvoll, und die Konjunktur zeigt sich standhaft.
Aber wird das so bleiben? Der ohnehin schon rüde Umgangston der
US-Regierung speziell in Handelsfragen steigerte sich unlängst und wurde
begleitet von der Einführung von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium,
u.a. aus Europa. Auch erhebliche protektionistische Maßnahmen zwischen
den USA und China stehen mehr denn je in Rede.

 

Als ob diese Wolken am Himmel nicht schon dunkel genug wären, ziehen
nun zusätzliche Gewitter aus Italien auf. Die neue Regierung aus rechter
Lega und linker Fünf-Sterne-Bewegung hat einen Koalitionsvertrag
aufgestellt, dessen üppige Ausgaben und marginale Einsparungen bei
vollständiger Umsetzung eine unheilvolle Entwicklung von Staatsdefizit
und -verschuldung zur Folge hätten. Damit rast eine EU-kritische
Schlechtwetterfront über die Alpen direkt auf die EU-Institutionen und
die Europäische Zentralbank zu. Der entsprechende Donnerhall kommt von
den Ratingagenturen, die das Land mit der bald zu erwartenden nächsten
Herabstufung nur noch eine Stufe über „non investment grade“ (also
Ramsch) bewerten.

 

Ist das politische Unwetter also sicher und unabwendbar?
Erfahrungsgemäß wird auch in der Politik nicht alles so heiß gegessen,
wie es gekocht wird. Insofern rechnen wir sowohl mit Blick auf das
Risiko eines Handelskriegs als auch auf den zu erwartenden italienischen
Konfrontationskurs, dass über Diplomatie und Kompromissbereitschaft
Schlimmeres vermieden wird. Eine zumindest kurzzeitige Eskalation ist
aber in den vergangenen Tagen durchaus wahrscheinlicher geworden.

 

Insgesamt bekräftigen wir aber unsere Perspektive auf eine fortgesetzte
globale Expansion und konstruktive Aussichten für die Kapitalmärkte.
Die Schlagkraft von Institutionen wie der Welthandelsorganisation, den
Vereinten Nationen, der EU und den Notenbanken sollte nicht unterschätzt
werden. So unangenehm das Säbelrasseln auch sein mag, so wenige Taten
sollten den Ankündigungen aus Washington und Rom tatsächlich folgen. Die
Schwankungen an den Märkten werden dennoch vorerst hoch bleiben. Indes
sehen wir die Notenbanken und deren sukzessiven Ausstieg aus der
langjährigen ultra-expansiven Geldpolitik nach wie vor als den
dominierenden makroökonomischen Faktor an. Mit dem geldpolitischen
Gegenwind durch sich normalisierende Zinsniveaus können Konjunktur und
Kapitalmärkte hinreichen gut umgehen. Bei einem politischen Unwetter
wäre das anders.

Quelle: Makro Research der DekaBank Stand: 12.06..2018

 

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Danny Führer
Wertpapierexperte der Sparkasse Mittelsachsen

 

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