Notenbanken üben sich in Geduld

Notenbanken üben sich in Geduld

Hektik ist selten angemessen. Das gilt für die private Geldanlage
ebenso wie für die große Geldpolitik. Nachdem die beiden großen
Notenbanken Fed und Europäische Zentralbank (EZB) bis Ende 2018 exakt
ihrem zuvor kommunizierten Fahrplan gefolgt waren, schalteten sie zu
Beginn dieses Jahres um von „Autopilot“ auf „Fahren auf Sicht“. Damit
zeigen sie sich geduldig hinsichtlich der weiteren Straffung ihrer
Geldpolitik. Die US-Notenbank Fed wird unserer Prognose zufolge nach der
Leitzinserhöhung im Dezember 2018 vom vierteljährlichen in einen
halbjährlichen Rhythmus wechseln, mit Zinsschritten im Juni und
Dezember. Die Annäherung an den neutralen Leitzins von etwa drei Prozent
ist mit Unwägbarkeiten verbunden und soll behutsam erfolgen. Da die
amerikanischen Inflationsraten im Zielbereich liegen, ist die Fed in der
komfortablen Situation, nicht abrupt bremsen zu müssen. Sie kann die
Wirkungen ihrer bisherigen Zinserhöhungen beobachten und sich für
weitere Schritte die nötige Zeit lassen.

Die EZB hat immerhin fahrplangemäß das Anleiheankaufprogramm beendet.
Ab Beginn dieses Jahres werden nur noch die Rückzahlungen aus fällig
gewordenen Anleihen reinvestiert. Die Zentralbankbilanz verharrt also
zunächst auf ihrem hohen Niveau. Die erste Zinserhöhung, also die
nächste Stufe der geldpolitischen Normalisierung, wird freilich noch auf
sich warten lassen. Grund dafür sind die jüngsten Abwärtsrevisionen bei
den Konjunkturprognosen und die reduzierten Analystenschätzungen für
die Unternehmensgewinne sowie die lange Liste der politischen Risiken
(Brexit, Handelsstreit, etc.). Die Finanzmärkte quittieren diese
Gemengelage mit Unmut. Sie scheinen zumindest eine milde Rezession vor
Augen zu haben. Erst mit der Bestätigung, dass unserem Hauptszenario
folgend der konjunkturelle Aufschwung – wenngleich mit weniger Dynamik –
bestehen bleibt und sich die Sorgenfalten um die politischen Risiken
zumindest etwas glätten (z.B. Einigung USA-China, kein harter Brexit),
kann die EZB beginnen, die Märkte und die Analysten auf die erste
Anhebung des Einlagensatzes vorzubereiten. Da sich diese Bestätigung
noch einige Wochen hinziehen kann, wird es für die EZB zeitlich zu
knapp, um den Start der Zinserhöhungen noch in diesem Jahr kommunikativ
angemessen vorzubereiten. Wir sehen daher die erste Zinserhöhung beim
Einlagensatz erst im Frühjahr 2020 und bei Hauptrefinanzierungssatz im
Herbst 2020.

So dürfte es an den Finanzmärkten im ersten Quartal dieses Jahres
weiter ruppig zugehen. Die Kursschwankungen bleiben hoch und wir halten
kurzfristig auch niedrigere Aktienindizes für wahrscheinlich. Im
weiteren Jahresverlauf dürften sich die Märkte jedoch wieder erholen,
wenn hinreichend gesichert davon ausgegangen werden kann, dass die
Stärke der Arbeitsmärkte erhalten bleibt und die Konsumausgaben weiter
steigen und beide damit den vielfältigen Risikofaktoren trotzen.

Quelle: Makro Research der DekaBank Stand: 12.02.2019

 

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Danny Führer
Wertpapierexperte der Sparkasse Mittelsachsen

 

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