Viel Lärm um (fast) nichts

Viel Lärm um (fast) nichts

Als ob das ganze Gezerre rund um den Handelsstreit zwischen den USA und China sowie um den anstehenden Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union die Märkte und die Anleger hierzulande nicht schon genug in Atem halten würde. Nein, jetzt kommt auch noch hinzu, dass der Euroland-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im März vollends in den Schrumpfungsbereich abgerutscht ist. Harte Zahlen wie die deutschen Februardaten zu Auftragseingängen und Produktion machen ebenfalls wenig Freude. Wen wundert es da, dass viele sich aus Angst vor einer Rezession in sichere Geldanlagen, namentlich in deutsche Staatsanleihen flüchten? Die Folge: 10-jährige Bundesanleihen rentieren derzeit nahe Null.

Die großen Notenbanken, allen voran die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB), haben ebenfalls mit ihren jüngsten vorsichtigeren Formulierungen zu anstehenden weiteren Straffungsmaßnahmen zumindest kurzfristig die Skepsis an den Märkten gefördert. Die Fed will nun keine nennenswerten weiteren Leitzinserhöhungen mehr vornehmen, und ob die EZB in absehbarer Zeit überhaupt noch ihre Leitzinsen erhöhen wird, steht in den Sternen.

An den Aktienmärkten siegte dann jedoch der Optimismus. Wesentliche Gründe sind Fortschritte beim Aushandeln eines Handelsabkommens zwischen den USA und China, die weiterhin kräftigen Wirtschaftsdaten aus den USA und die Erwartung, dass auch in China die Konjunktur im Jahresverlauf wieder nach oben drehen wird. Nicht zuletzt stützt die vorsichtigere Haltung der großen Notenbanken risikobehaftete Anlageklassen wie Aktien.

Noch ist es nicht entschieden, ob im Lauf dieses oder des kommenden Jahren eine ausgeprägte globale Schwächephase ansteht oder die gegenwärtigen Risiko-Diskussionen – wie so oft – nur viel Lärm um nichts sind. Aus unserer Sicht ist die aktuelle Entwicklung – auch in Europa – für ein baldiges Abrutschen in eine globale Rezession einfach zu stabil. Und die Befürchtungen des vergangenen Jahres, dass die Notenbanken zu stark an der Zinsschraube drehen würden und damit der Konjunktur noch mehr die Luft ausgeht, bestehen nicht mehr. So sind die Notenbanken schnell wieder vom Schurken zum Retter geworden.

Für uns bleibt es bei der Erwartung, dass die Weltwirtschaft zwar moderater als in den vergangenen Jahren, aber immerhin weiter wächst und damit auf dem Aufschwungspfad bleibt. Gleichzeitig bleiben die Zinsen für sichere Geldanlagen extrem niedrig. Dies ist eine Kombination, die – wenn sie weiter anhält – für die Aktienmärkte günstig ist. Angesichts mancher Unsicherheit dürften jedoch spürbare Kursschwankungen weiterhin an der Tagesordnung bleiben.

Quelle: Makro Research der DekaBank Stand: 09.04.2019

 

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Danny Führer
Wertpapierexperte der Sparkasse Mittelsachsen

 

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