In Sicherheit wiegen

In Sicherheit wiegen

An den Finanzmärkten konnte man in den letzten Wochen beobachten, wie
gut es tut, wenn geopolitische Unsicherheiten nachlassen. Der
ungeordnete Brexit ohne Vertrag ist quasi vom Tisch. Auch mit Blick auf
die weitere Eskalation der Strafzollspirale im Handelskonflikt der USA
mit China und der Europäischen Union gibt es Entspannungssignale. Und so
wiegen sich die Finanzmärkte derzeit in relativer Sicherheit. Es stört
an dieser Stelle überhaupt nicht, dass die Konjunkturindikatoren eher
gemischt gemeldet werden und von auflebender wirtschaftliche Dynamik
weiterhin keine Spur ist. Entscheidend ist, dass die Wahrscheinlichkeit
eines freien konjunkturellen Falls abgenommen hat und das
Schreckgespenst einer aufziehenden tiefen Rezession verschwunden ist.

Vor diesem Hintergrund haben sich die US-Börsen auf frische
Allzeithochs emporgearbeitet, und auch der Deutsche Aktienindex DAX
robbt sich an seinen Höchststand von Januar 2018 heran. Im Gleichklang
reagieren die Anleihemärkte: Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe
ist erstmals seit Juli 2019 wieder über -0,3 % gestiegen. Auch der
Goldpreis bröckelte etwas ab. Insgesamt durfte es bei vielen großen
Anlegern etwas mehr Risiko in den eigenen Portfolien sein als noch vor
Monatsfrist. Diese Marktentwicklungen können vor allem auf der
Aktienseite kurzfristig noch etwas weiterlaufen. Doch sehen wir keine
grundlegend veränderte fundamentale Perspektive. Die weltwirtschaftliche
Dynamik hat nachgelassen, rutscht aber nicht weiter ab. Damit werden
weitere Abwärtsrevisionen der Unternehmensgewinne unwahrscheinlicher.
Die Inflationsentwicklung bleibt sehr verhalten. Es gibt daher keine
Veranlassung für die Notenbanken, den in diesem Jahr eingeschlagenen
Kurs der erneuten geldpolitischen Lockerung umgehend zu korrigieren.
Zinserhöhungen stehen bis auf weiteres nicht auf der Agenda, daran
ändert die freundlichere Risikoeinschätzung der Märkte zunächst einmal
nichts.

Insgesamt bleibt damit das Bild der geopolitischen Verkrampfungen
erhalten, denen sich die Notenbanken bereitwillig stützend
entgegenstellen. Die anstehenden Parlamentswahlen im Vereinigten
Königreich dürften richtungsweisend für die weiteren Brexit-Perspektiven
werden. Insbesondere die US-Präsidentschaftswahlen werfen ihre Schatten
voraus. Auch die Unruhen in Lateinamerika und Hongkong zeigen, dass es
definitiv nicht die Zeit ist, um sich allzu sehr in Sicherheit zu
wiegen. Dies ist kein Umfeld, in dem Unternehmen eine dynamische
Investitionstätigkeit entfalten und mit Zuversicht ihre Kapazitäten
erhöhen. Und die von der Europäischen Zentralbank so lange ersehnte
Inflationsrate von 2 % bleibt außer Sichtweite. So wird es in der
nächsten Zeit auch schnell wieder Phasen von Zweifeln an den Märkten
geben, weil die konjunkturelle Dynamik zu wenig mitreißend ist. Vorsicht
bleibt geboten, aber es ist auch viel Platz für gelassene Zuversicht.

Makro Research der DekaBank Stand: 12.11.2019

 

Hier können Sie das vollständige Dokument herunterladen: Deka Newsletter

 

Danny Führer
Wertpapierexperte der Sparkasse Mittelsachsen

 

 

Tipp: Sie interessieren sich für das Thema Volkswirtschaft und wollen regelmäßig umfassend informiert sein? Dann melden Sie sich gleich für unseren monatlichen Newsletter „Volkswirtschaft im Fokus“ an. Schreiben Sie uns einfach Ihre private E-Mail Adresse und wir nehmen Sie umgehend in den Verteiler auf. Hier anmelden: blog@sparkasse-mittelsachsen.de